DIABETIKER
Diabetisches Fußsyndrom
Eine gute Schulung rettet viele Füße!
Von Prof. Dr. med. C. Diehm und Dr. med. H. Lawall, 
Klinikum Karlsbad-Langensteinbach
Eine optimale Patientenschulung mit Ernährungsberatung, körperlicher Bewegung und Blutzuckerselbstkontrolle sind
das A und O der Diabetesbehandlung. Durch eine gute Stoffwechseleinstellung können Spätkomplikationen (auch das diabetische Fußsyndrom) der Zuckerkrankheit verhindert bzw. verzögert werden. Dazu gehören die folgenden Aspekte:
  • Bewusst leben!
  • Normalgewicht halten oder anstreben!
  • Achten Sie auf eine qualitativ hochwertige Kost (kohlenhydratreich, fettarm, eiweißbeschränkt, hoher Ballaststoffanteil)
  • Geben Sie dem Stress und der Hektik keine Chance!
  • Hören Sie bedingungslos auf zu rauchen!
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutdruck! Ihre Blutdruckzielwerte liegen bei 120/70 bis maximal 130/80 mmHg.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Blutfettwerte (Cholesterine und Triglyzeride) im Normbereich liegen!
Viel Bewegung
Regelmäßige Bewegung und eine konsequente Fußgymnastik führen nicht nur zu einer Blutzuckersenkung durch Muskelarbeit, sie fördern auch die Durchblutung der Füße.
 
Richtige und regelmäßige Fußpflege
  • Inspizieren Sie Ihre Füße täglich! Nehmen sie evtl. einen Spiegel zur Hilfe (Suche nach Rissen, Hornhautschwielen, Rötungen, Blasen, Nagelveränderungen). Achten Sie darauf, dass auch ihr Arzt regelmäßig die Füße untersucht.
  • Schwielen sind ein wichtiges Warnsignal für eine zu starke Druckbelastung.
  • Halten Sie Ihre Füße warm und trocken.
  • Füße täglich lauwarm (ca. 37°C, nicht länger als fünf Minuten) waschen. Bei Gefühlsstörungen Temperatur vor dem Fußbad mit dem Ellenbogen oder mit Thermometer prüfen. Mit einem weichen Handtuch gut abtrocknen, auch zwischen den Zehen.
  • Nach dem Waschen Füße eincremen, vor allem bei trockener und rissiger Haut im Bereich der Ferse und der Sohle – nicht zwischen den Zehen.
  • Nur weiche Strümpfe aus Naturmaterial (Wolle oder Baumwolle) tragen.
  • Extreme Vorsicht bei der Fußpflege: Vorsicht mit spitzen Hilfsmitteln. Verbot von Nagelschere/-zange. Hautmesser, Hornhauthobel und Rasierklingen vermeiden. Verboten sind alle Hühneraugenmittel, auch Salizylpflaster! Weisen Sie Ihre Fußpflegerin/Ihren Fußpfleger immer sofort auf ihre Zuckerkrankheit hin!
  • Hornhaut mit Bimsstein oder Hornhautrubbel entfernen!
  • Niemals barfuß gehen! Verletzungsgefahr! In öffentlichen Bädern droht Fußpilzgefahr! Am Strand und beim Baden stets Badeschuhe tragen.
  • Keine einschnürenden Socken, Strumpfbänder oder Kompressionsbinden tragen. Sie stören die Durchblutung.
  • Pilzinfektionen und Hühneraugen müssen vom Arzt behandelt werden. Bei hartnäckigen Nagelpilzen müssen sowohl Medikamente eingenommen als auch die Nägel mit speziellem Nagellack behandelt werden.


Richtiges Schuhwerk
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Schuhe gut sitzen und bequem sind (weich und nicht einengend – „die Zehen brauchen Luft“). Spezialschuhe mit weichem Oberleder ohne Zehenkappe und gepolsterter Innensohle vermeiden Druckschäden am nervengestörten Fuß.
  • Sandalen sind nicht empfehlenswert.
  • Neue Schuhe zunächst nur stundenweise „einlaufen“. Beim Kauf von Sportschuhen besonders vorsichtig sein, da die Füße beim Sport besonders beansprucht werden!
  • Schuhe am frühen Nachmittag kaufen, weil da Ihre Füße Normalform haben.
  • Bei Fußdeformitäten müssen die Schuhe vom orthopädischen Schuhmacher speziell angefertigt werden.
  • Besondere Vorsicht auch bei neuen Einlagen!
  • Untersuchen Sie Ihre Schuhe regelmäßig auf Fremdkörper (spitze Kanten, innen liegende, hervorstehende Nähte, einschnürende Schuhbänder, Steinchen etc.).
Vermeiden Sie direkte Hitzeeinwirkung
  • Keine Wärmeflasche, Heizkissen, warme Fußbäder, Thermalbäder oder warme Schlammpackungen!
  • Vorsicht vor Sonnenbrand!
  • Wechselbäder nur nach Rücksprache mit dem Arzt!


Diabetikerfuß
Diabetiker leiden häufig an einer Erkrankung der Beine, insbesondere der Füße (sog. diabetisches Fußsyndrom). 
Die Blutzuckererhöhung führt langfristig zu einer Nervenfunktionsstörung (sog. diabetische Polyneuropathie)
und Durchblutungsstörung der Arterien (sog. diabetische Angiopathie oder periphere arterielle Verschlußkrankheit). 
Die Nervenschädigung erzeugt Gefühlsstörungen, insbesondere
ein vermindertes Schmerzempfinden. Durch die Verengung der Arterien resultiert eine Mangelversorgung des Fußes mit Nährstoffen und Sauerstoff.
Diese Veränderungen führen bei Diabetikern zu einer erhöhten Verletzungsgefahr der Haut. Darüber hinaus treten häufig Hautblutungen und bakterielle Infekte auf, die zu tiefen Wunden führen können und schlecht abheilen. Bei hochgradigen Gefäßverengungen bzw. -verschlüssen können die Zehen oder Teile des Fußes absterben und schwarz werden (sog. Nekrosen).
Vorbeugung und Behandlung von Fußerkrankungen bedürfen aus diesem Grunde besonderer Aufmerksamkeit. Der Diabetiker sollte seine Füße einschließlich der Fußsohlen (mit Spiegel) täglich ansehen (=inspizieren). Die Fußpflege muß mit Kompetenz und Sorgfalt erfolgen. Die Auswahl und Paßform der Schuhe werden mit einem erfahrenen Arzt besprochen. Dies können Allgemeinmediziner oder Internisten sein (diabetologisch geschulter Hausarzt, diabetologische Schwerpunktpraxis, Internisten mit der Zusatzbezeichung Endokrinologie). Darüber hinaus ist häufig eine enge Zusammenarbeit mit einem Röntgenarzt zur exakten Untersuchung der Blutgefäße erforderlich. Dieser kann auch die Engstellen (=Stenosen) 
durch einen Ballonkatheter aufdehnen (sog. PTCA). Chirurgen werden ebenfalls gerne befragt (=konsultiert).
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